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Zantoch

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Plan_Zantoch

Die Erkundung dessen, was uns umgibt, ist für die meisten Menschen sehr wichtig.Die europäische Kultur stellt sich überwiegend in der Überlieferung und im Bezug auf die Vergangenheit dar. Im Allgemeinen erscheint das Bedürfnis, in die Ver¬gangenheit zurückzublicken, fast als ein harmloses Unterfangen. Dagegen ist die Ausgangsposition auf dem Gebiet des ehemaligen "deutschen Ostens, des gegen¬wärtigen polnischen Westens", eher kompliziert. Die Verflechtungen in Orten wie Zantoch mit seinem Kastellangebiet sind besonders groß, da sich hier in spürbarer Weise eine Unzahl von menschlichen Schicksalen Übereinader schichten. Dieses Erbe ist durch die Bürde der Konflikte und der kriegerischen Ereignisse belastet. Daher lohnt es sich, mit wenigen Worten ein viel milderes Bild zu zeichnen und zwar,

Burg
Blick auf die Burg Zantoch
einen kurzen Ausflug in die "angewandten Geschichte" zu unternehmen. Die Archäologie und ihr Wissen hat wie aus der Lektüre ihrer wissenschaft¬lichen Arbeiten hervorgeht, immer noch nicht das letzte Wort gesprochen. Vom 19. Jhd. bis zum heutigen Tage fesseln der Burgbereich und andere Stellen in Zantoch immer noch die Aufmerksamkeit der Forscher. Sie geben uns auf unsere Fragen immer noch viele Antworten, besonders da, wo es an anderen Überlieferungen fehlt. Hier muss auf ein Werk hingewiesen werden, das von vielen Leuten mit großer Hingabe geschaffen wurde, ich denke dabei an das Ehepaar Kurnatowskich, die Schöpfer des Burgmuseums, und an andere namentlich nicht genannte "Wächter der Geschichte". Die grundsätzliche Quelle zu Erkundung der Geschichte jeder engeren Heimat sind jedoch die Archivalien. Leider hat ihnen der Krieg viele Schäden zugefügt. Verloren ging das Archiv des Landkreises Landsberg, auch die Dokumente der angegebenen Ortschaften haben sich nicht erhalten, unbekannt ist auch das Schicksal der Kirchenakten (darunter Kirchenbücher, die bis ins 17. Jhd. zurückreichen) und der Akten der großen Güter wie auch vieler anderer Einrichtungen. Erhalten geblieben sind jedoch viele Korrespondenzen, gesammelte Presseerzeugnisse und kartographische Sammlungen, die in anderen Archiven untergebracht waren (darunter das Landsberger Staatsarchiv und das Brandenburgische Zentralarchiv in Potsdam). Es blieb auch erhalten, was vor 1945 über verloren gegangene Dokumente und besondere Ereignisse veröffentlicht worden ist. Viele Hinweise finden sich in Anmerkungen oder Literaturhinweisen, die in entsprechenden Artikeln enthalten sind. Ein besonderes Forschungsthema ist die Lawine von Berichten über Zantoch, die sich immer dann in Bewegung gesetzt hatte, wenn Archäologen bei der Arbeit waren (in den 30er und 60er Jahren). Wie schwierig und nicht ohne propagandistisches Kolorit eine solche Lektüre sein kann, bezeugen zwei dokumentale Texte von Vorkriegsprofessoren. Derartige Vorgänge sind es wert, zur Kenntnis genommen zu werden, besonders wenn man sich vorher mit der Meinung damaliger Forscher vertraut gemacht hat. Auch das wird in diesem Buch angeboten. Die Beachtung von gegenwärtigen Veröffentlichungen, Debatten und dergleichen führt manchmal zu unverhofften Entdeckungen, die auch eine kleine Welt wie Zantoch betreffen. Dank dem Interesse junger Wissenschaftler gelang es herauszufinden, dass die verloren geglaubten gotischen Figuren der Heiligen Barbara und Magdalena sowie der Madonna aus der Kirche von Zantoch noch existieren. Die ersten beiden befinden sich in der Marienkirche mitten in Berlin, die letztere hingegen in anderen kirchlichen Sammlungen. Vielleicht gelingt es, sie einmal in Zantoch auszustellen. Hiervon träumt nicht nur der Herausgeber dieses Buches sondern auch ihr Entdecker Peter Knüvener. In Anbetracht so vieler Verluste an Geschichtsgütern sollte man mit dem, was noch erhalten ist, besonders sorgfältig umgehen. Dabei geht es nicht nur um Baudenk¬mäler oder wertvolle Gegenstände. Beachtlichen Wert kann auch sogenannter "alter Kram" annehmen, der immer noch anzutreffen ist: Alte Papiere, alltägliche Gegenstände, familiäre Erinnerungsstücke, auf den Böden aufgefunden oder bei Umbau-und Abrissarbeiten zu Tage gefördert, sollten den Bibliotheken, Museen oder sogar interes¬sierten Privatpersonen übergeben werden. Auf Einzelheiten müsste geachtet werden, die oft übersehen werden, wie z.B. Signaturen an Gegenständen, Baumaterialien (insbesondere Ziegel) Maschinen usw. Eine besondere Aufgabe wäre der pflegliche Umgang mit alten Friedhöfen. Auf vielen von ihnen blieben noch die Grabsteine von denen erhalten, die an der Erschaffung dieser Heimat mitgewirkt haben. Auch Denkmäler für die Gefallenen des ersten Weltkrieges, die wir immer noch (meistens an den Kirchen) anzutreffen, sind ein wichtiges Andenken an die Tragik früherer Generationen. Sie können zu Mahnmalen gegen Krieg und Gewalt werden und zeugen von dem versöhnlichen Geist in den polnisch-deutschen Beziehungen. Wo solches auf alten Fotos oder Postkarten abgebildet ist, lohnt es sich, sie aufzuheben, denn derartige Sammlungen sind heute zu einer guten Gewohnheit geworden. Dazu zählt auch die Aufbewahrung von Dokumenten von Personen und Ereignissen für kommende Gene¬rationen. Ein wichtiges Element ist auch die Bewahrung von mündlichen Überlieferungen. Das betrifft sowohl Erzählungen früherer deutscher Einwohner als auch Nachkriegszeugen der Ansiedlung, des Wiederaufbaus und der Polonisierung der Gebiete an Warthe und Netze. Nur so können wir etwas über Episoden erfahren, die wir in Chroniken oder offiziellen Überlieferungen nicht finden. Auf dieser Grundlage arbeitete einst einer der verdienstvollsten Heimatforscher der Zantocher Region vor 1945. So wie das Projekt "Zantoch in der Geschichte" (im Jahre 2007) von Zantoch selbst ausging, so geschah das auch schon früher einmal. Ein Lehrer der örtlichen Schule, der aus einer bäuerlichen Familie in Wepritz bei Landsberg stammte, August Hänseler (1889-1945), verfasste über 10 Arbeiten zum Thema Zantoch und Umgebung. Wir finden bei ihm Themen und Leitgedanken, wie sie professionelle Historiker selten verwenden: Geschichte der einzelnen Berufe und Betriebe, Mühlen, familien- und vermögensrechtliche Verhältnisse auf großen Gütern usw. Vielleicht zur Nachah¬mung empfohlen? Also schließen wir mit dem Appell, die Werte unserer engeren Heimat zu schützen, und das bei jedem Schritt und Tritt. Das ist kein Festhalten am Alten und Rückständigen, sondern eindeutig in die Zukunft gerichtetes Handeln. Denn aus einer bedachtsamen Mischung aus Wissen und Wertschätzung dessen, was uns nahe steht, erwächst auch die Kraft zu weiterem Handeln. Auf Wiederbelebung warten viele Denkmäler, so auch der Vorschlag aus der Gemeindebehörde des Senators Henryk M. Woźniak, ein archäologisches Reservat anzulegen. Das wäre eine Touristenattraktion und eine Stärkung des Selbstbewusstseins der Einwohner. Die Landschaft und die in der Erde schlummernden Werte rufen dazu auf...
RP